Rezension Sternensturm – Das Herz der Quelle von Alana Falk

Das Buch macht schon optisch etwas her. Hardcover mit einem wunderschönen, haptisch gestalteten Schutzumschlag, der gut zum Inhalt des Romans passt.

Der Roman ist für Jugendliche ab 14 Jahren gedacht, was ich überwiegend passend finde.

Zum Inhalt:
Der Roman ist abwechselnd aus der Sicht von Liliana und Adara geschrieben. Während Liliana die Verbindung mit ihrer magischen Quelle noch vor sich hat, hat Adara diese nicht nur bereits hinter sich, sondern auch einen schweren Schicksalsschlag erlitten, der ihr Denken und Handeln fast vollständig bestimmt.
Liliana ist eine unbekümmerte Achtzehnjährige, die in Auckland lebt und studiert und ihrer Aufgabe als Magierin mit Vorfreude entgegen schaut. Die Magier leben fast unerkannt unter den Menschen und beeinflussen die Natur, um so größere Katastrophen abzuwenden, die die Menschheit immer wieder und immer häufiger bedrohen. Die Welt der Magier teilt sich überwiegend in Magier und Quellen auf, die nur als verbundene Paare Magie wirken können. Es gibt jedoch auch Menschen ohne magische Fähigkeiten in der Gemeinschaft, die zum Teil im Rat sitzen, außerdem gibt es die Wächter, die den Paaren aus Magier und Quelle zugeteilt sind und – so weit ich es verstanden habe – die korrekte Anwendung der Magie überwachen.
Nach und nach verknüpfen sich die Ebenen von Liliana und Adara, worauf es jedoch wirklich hinausläuft, erfährt man erst recht spät. Ich bin verhältnismäßig früh darauf gekommen, was meinem Lesegenuss jedoch absolut keinen Abbruch getan hat.

Während Liliana entgegen ihrer eigenen Einschätzung ziemlich arrogant und herablassend ist, ist Adara gebrochen und nur noch darauf fokussiert, den Schicksalsschlag rückgängig zu machen. Beide haben eine besondere Beziehung zu ihrer Quelle, bei Liliana beginnt diese jedoch mit heftiger gegenseitiger Abneigung. Auch dass der Magiefluss zwischen Chris und ihr anfangs stark blockiert ist und die beiden sich einer lebensbedrohlichen Prüfung unterziehen müssen, macht es nicht leichter, doch letztlich finden sie zueinander und können gemeinsam Magie wirken.

Adara hingegen muss sich irgendwann entscheiden, ob sie egoistisch oder altruistisch handelt, ob sie sich für die Liebe oder für das Wohl der Allgemeinheit entscheidet. Und um diese Entscheidung beneide ich sie absolut nicht.

Ein bisschen schade finde ich, dass manche Dinge nur angerissen, aber nicht erklärt werden. So bewirkt der Magiefluss zwischen Magier und Quelle eine starke körperliche Anziehung, gleichzeitig sind jedoch Beziehungen zwischen ihnen vom Rat strengstens verboten. Es wird jedoch nicht erklärt, woher dieses Verbot rührt, so dass es ein bisschen konstruiert wirkt, um Liliana und Chris künstlich Steine in den Weg zu werfen.

Auch die Hintergründe des Rates werden nicht erklärt (ich hoffe, dass man im zweiten Band mehr darüber erfährt), was mich ein wenig unwillig zurückgelassen hat.

Alles in allem jedoch empfinde ich das Buch als sehr gelungen und habe es regelrecht verschlungen. Alana Falk hat einen sehr angenehmen, flüssigen Schreibstil, der nicht aufgesetzt, sondern sehr natürlich wirkt, und sie ist in der Lage, Landschaften und Orte so so beschreiben, dass ich sie wie einen Film vor meinem inneren Auge sehen kann, ohne je in Neuseeland gewesen zu sein.

Ich hoffe, es ist kein zu großer Spoiler, wenn ich schreibe, dass es mich besonders gefreut hat, eine sehr vielschichtige Figur im Sinne eines Severus Snape im Buch „gefunden“ zu haben. Ich mag es, wenn Figuren dreidimensional angelegt sind und unvorhergesehen handeln, ohne dass sie sich selber dabei untreu werden.

Das Ende war anders, als erwartet, anders, als teilweise erhofft, aber dennoch – oder gerade deshalb – ein sehr gutes Ende.

Ich freue mich auf den zweiten Teil, der leider erst für 2018 angekündigt ist. Übrigens kann der erste Band problemlos für sich alleine gelesen werden, da er zwar einiges offen lässt, aber dennoch in sich abgeschlossen ist.

Alles in allem vergebe ich 4,5 Sterne.

Alana Falk: Sternensturm – Das Herz der Quelle
Hardcover
Arena 2017
ISBN-13: 978-3401602905
€ 16,99

Rezension Die Stadt am Kreuz von Rafaela Creydt

Die Stadt am Kreuz stand schon länger auf meiner Leseliste und hat es nun endlich geschafft, sich nach vorne zu drängeln.

Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist wunderbar vielschichtig. Und auch, wenn man in diesem Roman vor allem den Trümmerkontinent kennenlernt und hier die Stadt Duremm, die in einer geologischen Besonderheit erbaut wurde, der Kreuzung zweier Flüsse in einer sonst eher kargen Wüstenlandschaft, so bekommt man doch einen Einblick, der einem zeigt, dass diese Welt noch um einiges größer ist.

Zu Beginn lernen wir Tresten kennen, dessen Verlobte von ihrer N’Duma Dahn (einer Art Leibwache) getötet wurde. Tresten ist untröstlich über seinen Verlust, und als Teklija na Kamatasai nicht zum Tode verurteilt, sondern lediglich nach Duremm in die Verbannung geschickt wird, bricht er mit seiner Familie, denn seine Mutter ist die oberste Richterin zur Rechten und hat das Urteil verkündet.

Trost findet er nur bei Raika, seiner besten Freundin und Tochter des Gerichtshofes zur Linken, weshalb diese beiden sich nicht einmal kennen dürften – damit unabhängige Urteile möglich sind, ist jeglicher Kontakt zwischen den beiden Gerichtshäusern verboten.

Und dann sind wir zwei Jahre später mit Teklija in Duremm. Erleben mit ihr die wahnwitzige Architektur der Stadt, die zum Teil in den Fels geschlagen und zum Teil an Seilen aufgehängt über den Flüssen schwebt. In einem schwebenden Wirtshaus hat sie Unterschlupf gefunden und nutzt eines Tages ihre Chance, als es zu einer Schlägerei kommt (an der sie nicht ganz unschuldig ist), um sich einen neuen Zadih zu suchen. Denn eine N’Duma Dahn ohne Zadih ist wie eine Seele ohne Körper – nutzlos.
Doch kaum hat sie Ruben das Leben gerettet und sich so rechtmäßig zu seinem neuen N’Duma Dahn ernannt, fällt ihr auf der Flucht vor den Verfolgern auch noch ein kleines blondes Mädchen in die Arme – und plötzlich steht sie vor der Aufgabe, zwei Menschen mit ihrem eigenen Leben zu beschützen, die beide nicht darum gebeten haben.

Natürlich ist diese Aufgabe fast unmöglich, selbst mit der Hilfe einer Heilerin, die mit Ruben befreundet ist und eines Angebers, der zum Treuen Volk gehört, welches magiebegabt ist, ist die Aufgabe fast nicht zu bewältigen. Teklija ist mehrfach kurz davor, einfach aufzugeben.

Natürlich spielen auch Tresten und Raika eine nicht unerhebliche Rolle, die man erst nach und nach versteht.
Rafaely Creydt hat nicht nur eine wunderbare Welt erschaffen, die sich vor dem geistigen Auge des Lesers sehr lebendig entwickelt, sie schafft es auch meisterhaft, dem Leser erst nach und nach alle Hinweise zu geben, die er braucht, um das Große Ganze zu durchschauen. Und gerade die so menschlich angelegte Teklija, die im Gegensatz zu ihrer perfekten körperlichen Ausbildung in zwischenmenschlichen Bereichen so unbedarft und unbeholfen ist, dass man sie mehrfach nehmen und schütteln will, und die dann doch irgendwann erkennt, dass es tiefere Bindungen als die zwischen N’Duma Dahn und Zadih gibt, sorgen dafür, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag.

Ich freue mich sehr auf weitere Geschichten aus diesem Universum, welches so vielschichtig angelegt ist, dass es noch vieles zu erzählen gibt.

Sehr gerne gelesen und daher mit fünf Sternchen versehen.

Rafaela Credt: Die Stadt am Kreuz
In Farbe und bunt, 2015
€ 13,80
ISBN: 978-3-941864-37-5

Rezension Vielleicht morgen von Guillaume Russo

Der Roman kam zu mir als spontane Urlaubslektüre. Ich suchte nach netter, unkomplizierter Unterhaltung und wurde diesbezüglich nicht enttäuscht.

Emma lebt in New York, Matthew in Boston. Nach dem Tod seiner geliebten Frau Kate zieht er seine Tochter alleine groß, geplagt von Depressionen und ohne rechten Lebenswillen.

Eines Tages findet er durch Zufall einen recht gut erhaltenen Laptop auf einem privaten Trödelmarkt und kauft ihn. Entgegen der Aussage des Verkäufers sind noch Bilder der Vorbesitzerin darauf und er nimmt zu ihr Kontakt auf. Emma hingegen ist irritiert, dass jemand ihren Laptop zu besitzen glaubt, da sie an selbigem die Mail von Matt empfängt. Nachdem sie zunächst davon ausgeht, dass er sich geirrt haben muss, entwickelt sich ein reger Mailverkehr, und schließlich verabreden sie sich zu einem Date.

Und spätestens hier merkt der Leser, was ich schon geahnt habe: Wir haben eine Zeitreisegeschichte.

Leider begeht Guillaume Russo wirklich alle Fehler, die man bei diesen Geschichten begehen kann, was mir das Buch sehr verleidet hat. Das hätte man besser und cleverer lösen können, ohne der Geschichte einen Abbruch zu tun – im Gegenteil, sie hätte dadurch nur gewinnen können. Das beste positive Beispiel für funktionierende Zeitreisegeschichten (und selbst da haben sehr aufmerksame Kritiker noch kleine Fehler gefunden) war „Die Frau des Zeitreisenden“. Guillaume Russo scheint sich des Zeitparadoxons nicht bewusst zu sein oder es war ihm egal, dass eine Veränderung in der Vergangenheit auch die Zukunft beeinflusst, so dass es nicht mehr zu dem Ereignis kommen kann, das wiederum die Veränderung in der Vergangenheit bewirkt hat.

Dass gerade die perfekte Ehefrau ein doppeltes Spiel spielt und alles andere als lieb und nett ist, nimmt man ihr nicht so recht ab – zumal es einfachere Pläne geben muss, als jemanden zu heiraten, nur um ihn dann Jahre später buchstäblich dem Geliebten zu opfern. Was muss in einem Menschen vorgehen, damit er in der Lage ist, einerseits einen perfekten Mord zu planen (der selbstverständlich nicht perfekt ausgeht), und andererseits mit dem späteren Opfer ein glückliches, verliebtes und vermutlich auch sexuell sehr erfülltes Leben zu führen? Zumal sie nie wissen konnte, wie lange sie das Spiel würde spielen müssen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Einblick in ihre Psyche gewünscht, stattdessen musste ich es mit einem schalen Geschmack im Mund akzeptieren (was mir nicht gelang).

Da ich mich trotzdem ganz gut unterhalten fühlte und wissen wollte, wie es am Ende aufgelöst wird, gibt es drei Sterne. Sprachlich war es flüssig und angenehm zu lesen, wie man es von Büchern dieser Art erwartet. Keine hochgeistige Literatur, aber zum Glück auch nicht hingerotzt (was ich auch schon erlebt habe).

Rezension Jules Welt von Marina Boos

Jules Welt – Das Glück der handgemachten Dinge ist laut Buchcover ein Kreativ-Roman. Das Cover ist schon mal sehr ansprechend gestaltet mit einem ausgeschnittenen Herz, durch das man auf ein dahinter liegendes Bild schaut, alles sehr liebevoll gezeichnet.

Jule heißt eigentlich Jolanda, lebt in Frankfurt und will als Journalistin Fuß fassen. Doch erst zieht eine ihrer beiden besten Freundinnen weg, dann bekommt sie eine Ablehnung und schließlich überredet ihre Oma sie, ihr vorzeitiges Erbe anzunehmen und den heruntergekommenen Gasthof im Heimatdorf der Oma zu übernehmen. Dieser steht seit Jahren leer und ist vollgestopft mit alten Möbeln, alten Zinnkrügen und noch einigem Zeug, das nicht in Jolandas Konzept passt.
Der Roman beschreibt sehr schön, wie die in Bezug aufs Dorfleben völlig naive Städterin gegen alle Widrigkeiten den Gasthof „Zur Linde“ renoviert und dabei wenige Fettnäpfchen auslässt. Sie gewinnt aber auch Freunde im Ort und die täglichen Zettel mit Inhalten wie „kein Starbucks in Müggebach!“ verarbeitet sie kreativ in ihrem neuen Gastraum.

Im Text gibt es immer wieder Stellen, in denen Jules kreative Arbeit eingehend beschrieben wird, ohne dass man das Gefühl hat, mitten in einer Bastelanleitung zu stehen. Diese sind am Ende des Romans gesammelt und jedem Kapitel folgt eine Seite für eigene kreative Ideen.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Jule mit beiden Beinen im Leben steht und kein hilfloses Mädchen wird, sobald ein Mann mit Werkzeug im Türrahmen steht. Im Gegenteil, sie geht selbst souverän mit verschiedenen Schleifern, Bohrmaschine und allerlei weiterem Werkzeug um und hat gar keinen Kopf für einen Ritter in strahlender Rüstung. Der auch nicht auftaucht. Ein winziges Bisschen Romantik gibt es, aber nicht kitschig, nicht überladen, sondern völlig überzeugend untergebracht.

Auch die Dorfbewohner sind sehr menschlich gezeichnet. Man sieht sie alle vor sich, wie sie Jule teils skeptisch, teils neugierig und teils ablehnend betrachten, jeder mit seinen ganz eigenen Motiven dafür, wie er Jule gegenübertritt. Und auch typisch fürs Dorf ist, dass alle etwas wissen, aber niemand sich die Mühe macht, Jule einzuweihen. Denn schließlich ist es doch allgemein bekannt, oder?

Am Ende hatte ich eigentlich nur noch eine Frage: Woher kam Berthe? – Und wer wissen will, wer Berthe überhaupt ist, der sollte den Roman lesen, denn er macht wirklich Spaß, ist herrlich erfrischend und zeigt eine ganz normale junge Frau in einer normalen Situation, kein Überwesen, wie es so häufig in Frauenromanen vorkommt.

Fazit: Sehr gerne gelesen!

Schreiben mit der Schneeflockenmethode

Ich habe auch den Winter über nicht viel geschrieben, es fühlte sich immer an, als sei Schreiben gerade einfach nicht dran.

Als ich mir gerade ein neues Hobby suchen wollte (Makrameeeulen zu klöppeln zum Beispiel), kamen zwei Dinge zusammen: Ich habe mich mal wieder extrem über Verschwörungstheoretiker geärgert und ich bin über die Schneeflockenmethode gefallen. Und nun sitze ich mit einem schlechten Romananfang hier, den ich komplett verwerfen will und bastle seit gestern mit der Schneeflockenmethode an meinem Plot und meinen Figuren. Ich habe bisher die ersten beiden Schritte von zehn hinter mir, wobei mich inzwischen beim weiteren Durchlesen des Buchs von Randy Ingermanson der Gedanke ansprang, dass „Verschwörungstheorien“ kein geeigneter Gegenspieler ist, also hopste selbiger vom Surfbrett und stellte sich kurz vor. Er ist unglaublich sympathisch, was es bestimmt nicht einfach macht, gegen ihn anzukommen, aber das ist ja auch Teil des Problems.

Kurz gesagt: Ich habe gerade zum ersten Mal so richtig Spaß am Plotten, finde massive Löcher und Logikprobleme und gehe sie nach und nach an, damit am Ende hoffentlich ein dichter Plot mit dreidimensionalen Figuren entsteht, aus dem ich dann die Geschichte schreibe. Ich werde hier nach und nach berichten – vorerst habe ich einen Romanthread im Tintenzirkel eröffnet, in dem mir ganz hervorragend geholfen wird und der mir sehr viel Spaß macht.

Und am Ende übernehme ich dann die Weltherrschaft – ach nein, das ist der falsche Text. 😉

Ein winziges Lebenszeichen

Ich habe eine Sommer hinter mir, der einfach keine Kreativität ausspucken wollte. Ich habe mich damit arrangiert, vor zwei Tagen noch behauptet, dass Schreiben gerade nicht meins sei, und dann gestern mein #NaNoWriMo-Projekt 2014 ausgedruckt und bis eben durchgelesen.
Knapp 90 Normseiten, die erstaunlich wenig Anmerkungen bekommen haben. Ein paar Tippfehler, ein Kapitel voller Tempuswechsel (passiert mir immer, wenn ich mich total ins Geschehen hineinziehen lasse und dann versuche, all das aufzuschreiben, was passiert. Dann wechsle ich immer ins Präsens) und hier und da noch ein paar Szenen, die etwas mehr Fleisch auf die Rippen bekommen können.
Aber auch jede Menge Schmunzeln, ein paar Mal habe ich laut gelacht und am Ende ein paar Tränchen verdrückt. Erstaunlich, denn beim Schreiben habe ich damals nicht so emotional reagiert.

Fazit: Ich will diesen Roman beenden. Und ich will einen Verlag dafür finden, denn ich glaube wieder an das, was ich da mache.
Ob ich den Roman allerdings im NaNo 2015 als Rebell fortführe, wird sich zeigen. Möglicherweise habe ich nicht mehr genug Plot, um 50k damit zu schaffen. Vielleicht schreibe ich auch einfach im Oktober so viel daran, dass ich nicht mehr genug Plot habe. Wie auch immer: Ich mag wieder schreiben. Und ich mag das, was ich geschrieben habe. Und das ist mir wirklich lange nicht mehr passiert.

Rezension The Hunt – Spur der Rosen von Heike Wolter

Das Buch habe ich durch das Meet & Greet bei Knaur auf der Buchmesse erhalten, sonst wäre ich wohl gar nicht darauf aufmerksam geworden.

Das Cover finde ich sehr ästhetisch und ansprechend gestaltet, Rosenblätter auf hellem Grund. Passt.
Der Inhalt hat mich zumindest neugierig gemacht – mir wurde ein Thriller versprochen, und das sagt auch der Klappentext aus:

Du gehörst mir!

Vom ersten Moment an weiß Enrique Montoya, dass die blutjunge Donna die Einzige für ihn ist. Geduldig wartet er auf den Tag, an dem er ihr seine Gefühle offenbaren wird – nur um festzustellen, dass er einen folgenschweren Fehler begangen hat. Denn Donna hat sich einem anderen zugewandt. Enriques Liebe wird zur Besessenheit – zerstörerisch und gnadenlos verfolgt er sein Ziel. Donna muss ihm gehören … um jeden Preis! Auch um den Preis des Lebens …

Ein Thriller um Obsession und Besessenheit: fesselnd und romantisch!

Das Buch beginnt mit einem Rückblick – dachte ich. Tatsächlich ist es aber eher ein Vorausblick, denn nach dem ersten Einblick in Enriques späteres Tätigkeitsfeld gehen wir in seine Teeniezeit zurück. Donna kommt nach dem Tod ihrer Mutter neu an Enriques Schule, der sich sofort in sie verguckt. Da sie aber zwei Jahre jünger ist als er und damit erst 14, begnügt er sich vorläufig damit, ihr ein guter Freund zu sein. Als sie mit 16 ihren ersten Freund hat und Enrique sagt, dass sie nie etwas anderes als eine Art Bruder in ihm gesehen hat, schmeckt ihm das gar nicht. Immer mehr steigert er sich in seine Obsession von ihr hinein, betrachtet sie als die ihm vorbestimmte Frau, sein Licht, quasi sein Eigentum. Alle, die sich zwischen ihn und Donna stellen, werden von ihm aus dem Weg geräumt.
Als Donna älter ist, sagt sie sich völlig von ihm los und flieht mehrfach quer durch mehrere Staaten, um ihm zu entkommen, doch Enrique schafft es immer wieder, sie aufzuspüren.

Was sich wirklich wie ein spannender Krimi liest, ist das leider nicht. Die Erzählstimme ist distanziert, als betrachte man das Geschehen aus der Ferne, ich habe zu keiner der Figuren eine emotionale Bindung aufbauen können, nicht einmal Donna fand ich sympathisch genug, um wirklich Angst um sie zu haben, was letztlich auch daran lag, dass alle Figuren über der Status eines Klischees nicht hinauskommen.
Donna ist bildschön, lieb und gut und kann niemandem etwas zuleide tun. Dass sie dabei auch noch schrecklich naiv bis an den Rand der Dummheit ist, machte es für mich nicht besser.
Enrique wird ausschließlich über seine Verhaltensstörung definiert. Er ist besessen von Donna und er tötet gerne – viel mehr erfährt man über ihn nicht.
Warren, ein späterer Freund Donnas und Polizist (erst LAPD, dann FBI) ist dauerhaft in Donna verliebt und für einen Polizisten so unglaublich dämlich, dass ich mehrfach mit dem Kopf schütteln musste.

Ich habe haufenweise Anmerkungen auf meinem Reader gemacht, da ich aber wegen des Rezensionsexemplares den Blue Fire Reader benutzen musste (DRM lässt grüßen) und dieser alles andere als durchdacht programmiert ist, komme ich nicht mehr an diese heran. Ich muss also aus dem Kopf durchgehen, was mich alles gestört hat. Wer das Buch gerne noch lesen und sich dabei überraschen lassen möchte, sollte hier nicht mehr weiterlesen, da ich nicht völlig ohne Spoiler werde auskommen können.

Mich stören leider schon ein paar Äußerlichkeiten: Die Autorin ist Deutsche. Warum braucht das Buch einen halb englischen, halb deutschen Titel? Hätte es nicht auch „Die Jagd – Spur der Rosen“ heißen können? Und warum muss es auch noch in den USA spielen? Die Story liefert dafür keinen Grund, Donna hätte auch eine Schülerin in Bochum sein können, die kreuz und quer durch Deutschland oder meinetwegen auch durch Europa flieht. Schade, dass deutsche Autoren so oft zu glauben scheinen, dass Geschichten in den USA spielen müssen, nur weil wir so viele US-amerikanische Übersetzungen in den Buchhandlungen liegen haben.

Auch sauer aufgestoßen ist mir, dass der Bösewicht unbedingt einen Migrationshintergrund haben „muss“. Enrique Montoya klingt sehr lateinamerikanisch, auch wenn in einem halben Nebensatz auf seine spanische Abstammung hingewiesen wird. Letztlich ist auch das ein Klischee: Die Einwanderer der Südstaaten haben halt entweder mit Drogen oder mit Mord zu tun.

Wenn jetzt der Erzählstil spannend wäre und die handelnden Personen intelligent gezeichnet, dann hätte mir das Buch immer noch gefallen können. Nur leider, leider machen Donna und Warren immer wieder völlig unbegreifliche Dinge, die jeder, der hin und wieder einen Tatort guckt, besser hinbekommen könnte:
Donna ahnt, dass er etwas mit den Todesfällen in ihrem Umfeld zu tun hat, kann es aber nicht beweisen. Als Enrique in ihre Wohnung eingedrungen ist, flieht sie planlos, anstatt die Polizei zu rufen und ihn anzuzeigen. Auch Warren empfiehlt ihr, zu fliehen, da ihr ja nun auch keiner mehr glauben werde bei der Polizei, weil sie erst weggelaufen ist.
Als Enrique sie später ausfindig macht und in ihrer Wohnung auf sie wartet, wird sie von ihrem Kollegen gerettet, der Enrique bewusstlos schlägt. Hier hätte das Buch bereits sein glückliches Ende finden können: Der Kerl hat sie überfallen und wurde auf frischer Tat ertappt, Anzeige, Unterlassungsklage etc., gut ist. Aber nein, der Kollege lässt den bewusstlosen (!) Enrique liegen und fährt Donna zum Flughafen, damit sie wieder fliehen kann. Wovor denn jetzt noch, verdammt? Und natürlich wacht Enrique wieder auf, fährt seelenruhig zum Flughafen und verpasst Donna nur um Haaresbreite, dafür killt er dann erstmal Wooley, der sie gerettet hat. Das war eine mehr als unnötige und völlig sinnfreie Szene.

Irgendwann nach gut der Hälfte und vier Fluchten hatte ich ernsthaft keine Lust mehr und habe nur weitergelesen, um eine vollständige Rezension abgeben zu können.
Warren begreift irgendwann, dass Enrique der „Rosenmörder“ sein muss, denn schließlich finden sich die gleichen roten Rosen sowohl in Donnas Apartment, wenn Enrique mal wieder da war, als auch an jedem einzelnen Tatort des Scharfschützen.

Ach ja, der gute Enrique findet Donna übrigens unter anderem über eine Vermisstenseite im Internet, auf der er ihr Bild hochlädt und eine rührige Story über seine vermisste „Schwester“ hinterlässt – da Donna netterweise irgendwann im Text ihr Geburtsdatum angibt (Februar 1978) und sie zum Zeitpunkt dieser Suche 22 ist, spielt sich das also im Jahre 2000 ab. Sorry, aber da war das Internet noch nicht so weit, dass es interaktive Suchseiten gibt. Die allgemeine Vernetzung aller Behörden, die Enrique ebenfalls immer wieder hilft, war auch noch in den Kinderschuhen – ja, auch in den USA.

Warren zieht also irgendwann eins und eins zusammen, Enrique macht einen dämlichen Fehler nach dem anderen, und am Ende gibt es einen netten Showdown, der ebenfalls so ziemlich jeglicher Logik entbehrt. Aber gut, daran hatte ich mich beim Lesen bereits gewöhnt.

Fazit: Ich lese wirklich gerne Thriller, aber sie müssen gut gemacht sein. Einen Thriller macht für mich die Intelligenz der handelnden Figuren aus, die Fähigkeit des Autors, den Leser immer wieder auf falsche Fährten zu führen und ihn am Ende zu überraschen. Oder wenigstens vielschichtige Figuren, die nicht immer so handeln, wie man es von einem Klischee erwartet.
Leider konnte mich dieser Roman absolut gar nicht überzeugen. Zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden, so dass es bestimmt genug Menschen gibt, denen dieses Buch Spaß macht.

Noch eines zum Stil des Buches: Dass er sehr erzählend und distanziert ist, erwähnte ich ja bereits. Was mich aber wirklich mehrfach gründlich aus dem Lesefluss gebracht hat: Die Autorin wechselt teilweise mehrfach innerhalb einer Szene die Perspektive. Da beginnt sie mit Donnas Innensicht, schwenkt mal kurz in Warrens Kopf hinein und ist wieder bei Donna. Ganz schlimm wird es, wenn sie zwischendrin sogar zu Enrique schwenkt, der nicht mal anwesend ist. Ein, zweimal hätte ich das verzeihen können, aber es passiert gefühlt alle zwei Seiten mindestens einmal.

Ich gebe einen von fünf Sternen – für ein hübsches Cover, solide Rechtschreibung und eine immerhin gute Idee.

Heike Wolter: The Hunt – Spur der Rosen
363 Seiten
Knaur eRiginals
€ 4,99