Rezension Cedars Hollow

Das Buch ist mir als Gratis-Download über Amazon in den Kindle zugeflogen, andernfalls hätte ich es vermutlich nicht gelesen.

Hazel lebt in der englischen Kleinstadt Cedars Hollow (hier frage ich mich bereits, warum deutsche Autoren ihre Geschichten immer in Amerika oder England ansiedeln müssen, ohne dass die Geschichte einen triftigen Grund dafür liefert) das normale Leben eines modernen Teenagers, als ihre Mutter brutal ermordet wird.
Mehr als einmal wird im Text erwähnt, dass diese mit blutig aufgerissener Kehle in einer Seitengasse gefunden wurde, und selbst der letzte Leser, der noch nie von Twilight gehört hat, begreift irgendwann, dass es sich wohl um den Angriff eines Vampirs handeln muss, nur Hazel, ihr Vater und die Polizei kommen natürlich nicht auf das Naheliegenste.
Okay, es gibt ja auch keine Vampire, daher ist das erstmal logisch.

Zwischen Hazel und ihrem Vater fallen im gesamten Roman ungefähr drei Sätze, einer davon lautet „wie geht es dir?“ und der andere „Gut.“ Ich habe schon Menschen in Trauer erstarren sehen, aber dass Vater und Tochter wochen-, ja monatelang nicht miteinander reden, nachdem die Frau respektive Mutter gestorben ist, halte ich selbst in der kältesten Familie für absolut unwahrscheinlich. Aber nun gut, weiter im Text.

Eines Tages trifft Hazel Dave, der hübsch, nett und charmant ist und sie auf einen Tee einlädt. Und er ist anders als die anderen … Noch jemand, der sich nicht an Twilight erinnert fühlt?
Dann wird sie von grausamen Alpträumen geplagt, in denen ein Rabe und ein Wolf eine Rolle spielen, und irgendwann werden Dave und sie auf dem Friedhof von einem Jungen angegriffen, der eben noch als Rabe auf einem Baum gelandet war und sich vor ihren Augen verwandelt. Der andere ist düster und abweisend und Hazel rennt davon.
Dave kämpft mutig um sein Leben und schleppt sich dann verletzt zu ihr, um ihr davon zu berichten, dass Corvus, der Rabenjunge, ihn töten will. Hazel hat von nun an Angst vor Corvus, bekommt aber aus Dave bezüglich der Verandlung nicht mehr raus als „davon darfst du nichts wissen.“
Hazel freundet sich immer mehr mit Dave an, stellt aber fest, dass sie nicht in ihn verliebt ist.

Eines Tages lauert Corvus ihr auf und erklärt ihr, sie solle sich von Dave fernhalten. Auf ihre Frage, ob er sie andernfalls töten werde, antwortet er sehr kryptisch, alles in allem scheint er ein ziemlich übler Typ zu sein. Zu übel, für meinen Lesergeschmack, da muss noch eine Wendung kommen.

In der Schule ist Hazel einsam, weil sie auf die stereotype Frage ihrer Freunde, ob es ihr gut ginge, immer nur mit „ja, klar“ antwortet und sich wundert, warum die nicht mal eine andere Platte auflegen.  Als ihre beste freundin fragt, ob ihr schon mal die beiden komischen Typen aufgefallen seien, die neuerdings an der Schule herumlungern, beste lügt sie diese an, und überhaupt verhält sich kaum ein Mensch in diesem Buch so, wie Menschen das üblicherweise tun.

Irgendwann gewinnt Corvus das Vertrauen von Hazel und überzeugt diese nun seinerseits, dass alles ganz anders und in Wahrheit Dave, der eigentlich Svarog heißt, der Böse sei. Warum er böse ist, lässt er im Unklaren. Natürlich, sonst wäre das Buch ja auch noch langweiliger und vorhersehbarer, als es eh schon ist. Corvus eröffnet ihr irgendwann, dass er ein Vampir ist und natürlich hat die liebe Hazel keine Angst vor ihm und seinen Freunden, sondern findet es ziemlich lässig, mit ihnen abzuhängen. Und natürlich hat Corvus eine Gruppe um sich geschart, die Menschen nicht töten, sondern rechtzeitig aufhören, sich zu nähren, damit ihre Mahlzeit, pardon, der Mensch, den sie gerade aussaugen, nicht stirbt.
Hazels beste Freundin wird ebenfalls ausgesaugt und überlebt, und natürlich kann Hazel nicht mal eins und eins zusammenzählen und versteht gar nicht, was die Bissmale am Hals der Freundin zu bedeuten haben.
Als sie dann später erfährt, dass Damon (hoppla, nun sind wir kurz zu Vampire Diaries abgedriftet!), der charismatische und immer gut gelaunte Vampir, der nachts gerne in Supermärkte einbricht und Chips klaut („he, ich lasse immer etwas Geld an der Kasse!“) sich von der Freundin genährt hat, kann sie ihm natürlich nicht böse sein und bittet ihn nur, das nie wieder zu tun. Nein, natürlich nicht! Dafür verknallen sich Vampir und Mahlzeit und sind am Ende des Buches ein glückliches Pärchen. Mampf.

Ich könnte ja noch lange weitermachen, aber sagen wir es so: Ich hatte Urlaub und genug Muße, das Buch bis zum Ende zu lesen, und immerhin wollte ich wissen, wie die Autorin alles auflöst. Dass sie alle Hinweise fünfmal gibt und die Figuren alle zu doof sind, um ihre eigenen Gedanken schon beim ersten Mal zu glauben, macht es ziemlich anstrengend, der sehr einfache Stil lässt einen  das Buch dafür in wenigen Stunden durchlesen. In diesem Fall ein echter Pluspunkt.

Am Ende ist Svarog/Dave tot, Hazel weiß nun, dass er ihre Mutter getötet hat, was Corvus ihr aus nicht verständlichen ehrenrührigen Gründen verschwiegen hat (vermutlich, weil ein „hey, halt dich von dem Typen fern, der hat Deine Mutter getötet“ zur rechten Zeit das Buch um locker die Hälfte gekürzt beziehungsweise den Rest der Handlung einfach überflüssig gemacht hätte), sie erkennen, dass sie zusammen gehören und Corvus dank ihr keine übermächtigen Blutgelüste mehr hat, er rettet sie nebenbei vor einer Beinahe-Vergewaltigung durch einen aufdringlichen Mitschüler und heilt ihre drohende Magersucht („seit dem Tod meiner Mutter bekam ich keinen Bissen mehr herunter“ Hand-an-die-Stirn-patsch), indem er seinen Vampirkumpel für sie kochen lässt („wir Vampire vertragen zwar keine menschliche Nahrung mehr und haben keinen Stoffwechsel, aber weil ich mal Koch werden wollte, klappt das bei mir doch noch“) und natürlich haben sie noch einen Verräter in der Gruppe und ein anderer opfert sich für Hazel, das tolle Menschenmädchen.

Kampfszenen sind statisch und enthalten haufenweise verschenktes Potential (da liegt stundenlang ein Silbermesser unbeachtet am Boden, aber erst im Nachhinein erfährt man, dass es ganz am Ende dann doch noch schnell benutzt wurde, Eine Gruppe greift an, aber der Einzelne ist natürlich immer im Vorteil und die Gruppe ist so nett und wartet artig, bis ein jeder von ihnen an der Reihe ist, anstatt ihn gemeinsam zu überwältigen) und ach ja, ich vergaß: Alle Vampire sind Gestaltwandler, was natürlich lässig und cool und für die Handlung so ziemlich unnötig wie ein Kropf ist und im Endkampf noch mal kurz aus dem Hut gezaubert wird.

Und damit man seine eigenen Vampire hat, haben diese halt Superkräfte, sind wahnsinnig schnell und stark und können sich verwandeln, dafür heilen ihre Wunden aber total schlecht und man kann sie eigentlich ziemlich einfach töten. Macht aber natürlich keiner, wäre ja blöd.

Diesem Buch hätte es sehr gut getan, wenn es vor der Veröffentlichung an Testleser gegangen wäre, die weder Schwestern, Freunde noch Eltern der Autorin sind und die Texte kritisch lesen und auf logische Fehler sowie Längen und unnötige Ausschweifungen hinweisen. Mal abgesehen davon, dass es schwer ist, etwas wirklich Innovatives zu erschaffen, wenn man im Strom eines erfolgreichen Buches schwimmen will (Twilight schimmert an allen Ecken und Kanten durch, leider ist der Stil der Autorin nicht ansatzweise so fesselnd wie der von Stephenie Meyer, über deren Bücher man sich sicher auch streiten kann). Ganz abgesehen davon wäre ein vernünftiges Lektorat hier Pflicht gewesen. Immerhin hat das Korrektorat gute Arbeit geleistet, bis auf die zu verschmerzenden üblichen zwei Tippfehler, die einfach mal durchrutschen, ist mir nichts aufgefallen.

Fazit: Die Autorin ist ambitioniert, aber bisher auf dem Niveau billiger Fanficton. Man kann nur hoffen, dass sie unermüdlich weiterschreibt, ihre Kritiker ernst nimmt und lernt, wirklich fesselnd zu schreiben, denn vielleicht ist eine Geschichte von ihr, die sich nicht an etwas bereits Vorhandenem anlehnt, eines Tages wirklich lesenswert.

Cedars Hollow von Charlotte Schäfer, Sieben Verlag, 2012
ISBN: 978-3-940235-73-2 (Taschenbuch)
978-3-864431-07-4 (e-book PDF)
978-3-864431-08-1 (e-book Epub)

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