Rezension Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Ich gebe es zu: Die Amazon-Rezensionen haben mich neugierig gemacht, und zwar vor allem die negativen.

Worum geht es?
Ida hat ihren Sommerurlaub auf St. Haudas Land verbracht, einem kleinen Insel-Archipel, dessen Lage nicht näher beschrieben wird und der sich klimatisch und von der Namensgebung seiner Orte her irgendwo zwischen Großbritannien und Norwegen befinden dürfte. Kurz: Die Inseln sind fiktiv.
Als Ida wieder auf dem Festland ist, bemerkt sie eine Veränderung an sich: Schleichend werden ihre Füße zu Glas. Es beginnt mit einem Splitter, der sich nach dem Joggen nicht aus dem Fuß ziehen lässt, und es wird mehr. Immer mehr. Ida ist sich sicher, dass St. Haudas Land die Antwort zu diesem Rätsel und auch ein Heilmittel bereithält, und so reist sie mitten im Winter zurück. Inzwischen geht sie schwerfällig, benutzt eine Krücke und trägt überdimensionale Stiefel, um ihre empfindlichen Füßen mit ausreichend vielen Socken schützen zu können.

Sie lebt bei Carl im Haus, der vor vielen Jahren in ihre Mutter verliebt war und nicht den Mut hatte, Freya für sich zu gewinnen. Im Blumenladen begegnet sie Midas, dem schüchternen und ein wenig verschrobenen Fotografen, der ihr Herz erobert ohne selber zu wissen, wie es dazu kommen konnte. Und sie macht sich auf die Suche nach Henry Fuwa, den Mann, der im Sommer auf der Straße stürzte und ihr von den Ochsenmotten erzählte, einem Geheimnis der Natur der Inseln, welches er hütet. Im Sommer glaubte sie ihm nicht, nun glaubt sie, dass er ihr helfen könne.

Während Carl versucht, alles von ihr fernzuhalten, was ihr schaden könne und seinerseits nach einer Lösung des Problems sucht, ist Midas zunächst mit seiner Rolle völlig überfordert und wächst nach und nach in diese hinein.

Das Buch lebt vor allem von seinen wunderbaren Beschreibungen und geradezu märchenhaften Einfällen. Abgesehen von den Ochsenmotten, winzigen geflügelten Kühen, und der seltsamen Krankheit, die Menschen zu Glas erstarren lässt, gibt es noch das Tier, dessen Blick alles zu Weiß werden lässt und Quallen, deren Gift lähmt und die in Schwärmen zum Sterben in die Buchten der Inseln kommen, wobei sie zu Licht zerfallen.

Nicht alle Fäden der Geschichte laufen am Ende zusammen und nicht alle Geheimnisse werden gelüftet, und doch ist das Buch in sich rund. Es hat eine märchenhafte und melancholische Grundstimmung, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat, und auch die Sprache ist wunderbar verspielt und einem Märchen angemessen.

Manche Fragen hätte ich gerne noch geklärt, das Ende ist nicht unbedingt als happy end zu bezeichnen, und die Frage meiner Mutter, als ich ihr von dem Buch erzählte, „welche Botschaft steckt denn nun dahinter? Warum wird Ida zu Glas?“, kann ich nicht wirklich beantworten. Es geht um Liebe in all ihren Facetten, um Verlust und verpasste Chancen, um Hoffnung und um Schicksal – vor allem aber geht es darum, dass das Leben sich nicht lenken lässt, sondern einfach passiert, wie es ist.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und werde das sicher noch einmal tun.
Und weil es so besonders ist, möchte ich auch das äußere Erscheinungsbild hervorheben: Das Cover ist in weiß, hellblau und silber gehalten, es gibt Hochglanz-Vorhebungen und die Natur von St. Hauas Land spiegelt sich in der filigranen Zeichnung wider. Und die Beschnittkante ist silbern, was dem Buch einen sehr edlen Anstrich gibt. Auch das Lesebändchen ist silbern.

Die Fakten:
Ali Shaw: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen
script5, 2012
398 Seiten, gebunden
€ 19,95
ISBN: 978-3-8390-0131-8

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Ein Gedanke zu „Rezension Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

  1. Ui, das freut mich, dass mal jemand aus dem Zirkel das Buch rezensiert… bei mir steht es schon seit einiger Zeit auf der Wunschliste, aber ich war mir bisher immer unsicher, ob es mir wirklich gefallen würde, vor allem mit den negativen Rezensionen, die es teilweise bekommen hat. Jetzt glaube ich, ich sollte doch mal einen zweiten Blick drauf werfen 😉

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