Rezension Nullzeit

Juli Zeh war mir schon länger ein Begriff, allerdings hatte ich noch nichts von ihr gelesen.
Im Dezember erzählte mir jemand von Nullzeit, in der tauchen wurde darüber berichtet und immer wieder begegnete mir das Buch in der Buchhandlung, so dass ich es schließlich mitgenommen habe, als ich gerade ein bisschen Zeit hatte, durch Hamburg zu schlendern.

Die Sprache ist klar und knapp, kein Wort zu viel – und doch erschafft Juli Zeh mit diesem Minimalismus ganze Welten. Wenige Worte malen umfangreiche Bilder in meinem Kopf, so dass ich immer mal wieder beim Lesen innehalten muss, um sie auf mich wirken zu lassen.
Die Geschichte lässt sich knapp zusammenfassen: Sven ist vor 14 Jahren nach Lanzarote ausgewandert und hat dort gemeinsam mit Antje eine Tauchschule gegründet. Klein und fein ist sie, selten haben sie mehr als zwei, drei Gäste gleichzeitig. Während Sven sich ums Tauchen kümmert, ist Antje für alles Administrative zuständig, und auch, wenn es nicht die große Liebe ist, so haben sie doch ein gemeinsames Leben, in dem sie sich eingerichtet haben.

Bis Jola und Theo auf die Insel kommen. Jola ist Schauspielerin in einer Telenovela und will endlich eine ernstzunehmende Rolle, Theo ist Schriftsteller, der einen einzigen großen Roman veröffentlicht hat und seitdem an einer Schaffenskrise leidet. Jola will die Rolle der Lotte Hass, dafür muss sie tauchen können. Sven soll ihr und Theo in 14 Tagen alles beibringen, dazu noch rund um die Uhr als Fremdenführer bereitstehen. Als Gage bekommt er € 14.000.

Zunächst wirkt das Pärchen etwas exzentrisch und verschroben, ihre Beziehung ist von einer Hassliebe geleitet, die einem hin und wieder den Atem stocken lässt. Sven berichtet, was er erlebt, Jola schreibt Tagebuch, beides ist von der Autorin meisterhaft miteinander verwoben. Sven und Jola kommen sich näher, er bricht mit all seinen eigenen Regeln, nach und nach weichen ihm Freunde und Bekannte aus, doch er steigert sich immer mehr in die Hoffnung, Jola dazu zu bewegen, auf der Insel zu bleiben.

Während anfangs seine und ihre Sichtweise deckungsgleich sind, weichen sie im Laufe des Romans immer weiter voneinander ab, und der Leser fragt sich zunehmend, ob seine Sympathie für Sven denn wirklich richtig ist, ob nicht doch Jola diejenige sein könnte, deren Bericht der Wahrheit entspricht. Am Ende bricht alles auf eine Art und Weise zusammen, die man vielleicht kommen sah und die einem doch den Atem stocken lässt, und ich habe eine Weile einfach nichts getan und das Buch nachwirken lassen, als ich die letzte Seite hinter mir hatte.

Alles, was mit dem Tauchen zu tun hat, ist von Juli Zeh sehr gut recherchiert, was mich natürlich besonders freut, da es bereits genug schlecht recherchierte Romane auf dieser Welt gibt.

Alles in allem ein Buch, das mir tief unter die Haut gegangen ist und das ich mit Sicherheit noch einmal lesen werde, dann noch mehr auf die Feinheiten und die Unterschwelligen Andeutungen achtend.

Definitiv empfehlenswert!

Juli Zeh: Nullzeit
Schöffling & Co.
ISBN: 978-3-89561-436-1
€ 19,95, gebunden

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