Rezension Jules Welt von Marina Boos

Jules Welt – Das Glück der handgemachten Dinge ist laut Buchcover ein Kreativ-Roman. Das Cover ist schon mal sehr ansprechend gestaltet mit einem ausgeschnittenen Herz, durch das man auf ein dahinter liegendes Bild schaut, alles sehr liebevoll gezeichnet.

Jule heißt eigentlich Jolanda, lebt in Frankfurt und will als Journalistin Fuß fassen. Doch erst zieht eine ihrer beiden besten Freundinnen weg, dann bekommt sie eine Ablehnung und schließlich überredet ihre Oma sie, ihr vorzeitiges Erbe anzunehmen und den heruntergekommenen Gasthof im Heimatdorf der Oma zu übernehmen. Dieser steht seit Jahren leer und ist vollgestopft mit alten Möbeln, alten Zinnkrügen und noch einigem Zeug, das nicht in Jolandas Konzept passt.
Der Roman beschreibt sehr schön, wie die in Bezug aufs Dorfleben völlig naive Städterin gegen alle Widrigkeiten den Gasthof „Zur Linde“ renoviert und dabei wenige Fettnäpfchen auslässt. Sie gewinnt aber auch Freunde im Ort und die täglichen Zettel mit Inhalten wie „kein Starbucks in Müggebach!“ verarbeitet sie kreativ in ihrem neuen Gastraum.

Im Text gibt es immer wieder Stellen, in denen Jules kreative Arbeit eingehend beschrieben wird, ohne dass man das Gefühl hat, mitten in einer Bastelanleitung zu stehen. Diese sind am Ende des Romans gesammelt und jedem Kapitel folgt eine Seite für eigene kreative Ideen.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Jule mit beiden Beinen im Leben steht und kein hilfloses Mädchen wird, sobald ein Mann mit Werkzeug im Türrahmen steht. Im Gegenteil, sie geht selbst souverän mit verschiedenen Schleifern, Bohrmaschine und allerlei weiterem Werkzeug um und hat gar keinen Kopf für einen Ritter in strahlender Rüstung. Der auch nicht auftaucht. Ein winziges Bisschen Romantik gibt es, aber nicht kitschig, nicht überladen, sondern völlig überzeugend untergebracht.

Auch die Dorfbewohner sind sehr menschlich gezeichnet. Man sieht sie alle vor sich, wie sie Jule teils skeptisch, teils neugierig und teils ablehnend betrachten, jeder mit seinen ganz eigenen Motiven dafür, wie er Jule gegenübertritt. Und auch typisch fürs Dorf ist, dass alle etwas wissen, aber niemand sich die Mühe macht, Jule einzuweihen. Denn schließlich ist es doch allgemein bekannt, oder?

Am Ende hatte ich eigentlich nur noch eine Frage: Woher kam Berthe? – Und wer wissen will, wer Berthe überhaupt ist, der sollte den Roman lesen, denn er macht wirklich Spaß, ist herrlich erfrischend und zeigt eine ganz normale junge Frau in einer normalen Situation, kein Überwesen, wie es so häufig in Frauenromanen vorkommt.

Fazit: Sehr gerne gelesen!

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